Cool Lipsia – Leipzig im kalten Novemberwind

Entdeckungen auf verborgenen Wegen

Städtereisen sind normalerweise was für den Frühling oder den Herbst, denn im Sommer ist es zu heiß und zu voll und im Winter zu kalt und zu trist. Mittlerweile habe ich aber den Reiz des Stadt Eroberns in den Zeiten entdeckt, die völlig außerhalb jeder Saison sind. Aktuelles Beispiel Leipzig Ende November 2014, 2 Tage Business Trip mit privaten Zeitfenstern, zur Verfügung ein Nachmittag und der Tag danach bis 16 Uhr. Da passt es perfekt, dass in der aktuellen italienischen Marie Claire ein großer Bericht über Leipzig Lipsia steht. „Verborgenes Leipzig“ – der neue Führer von Leipzig Tourismus im Internet aufgeteilt nach Norden, Osten, Süden, Westen gibt tolle Ziele in den Stadtvierteln abseits des üblichen Sightseeings. Also beschließe ich einen Mix aus den beiden Führern und zwar gaaaanz entschleunigt, um vielleicht auch das Leipzig Feeling zu bekommen, das die Marie Claire Autorin so cool findet.

Foto

 

Los geht’s am frühen Nachmittag, mein erstes Ziel sollte ein Highlight werden, aufgrund der Bilder die ich im Internet, natürlich schon vorgegoogelt habe. Ab zur Spinnerei, die alte Leipziger Baumwollspinnerei liegt etwas außerhalb im Stadtteil Lindenau und ist der Hotspot für die Kunst- und Kreativszene. Laut dem britischen Guardian Reiseziel Nummer 1 in Deutschland für Kunstfreunde: „Leipzig is fast catching Berlin as a setting for innovative arts, particularly the city’s Baumwollspinnerei (spinnerei.de), a former factory that now hosts dozens of eclectic galleries and artists‘ Studios…“ Also Leipzig das neue Berlin? Und kaum in der Spinnerei angekommen, muss ich sagen: Erwartungen übertroffen!

Spinnerei Leipzig

Spinnerei Leipzig

Der riesige ehemalige Fabrikkomplex ist beeindruckend, mit seinen roten Backsteinfassaden, den großen, hohen originalen Glasfenstern und dazwischen der wild wuchernden Steppe hat er was Magisches. Noch dazu, wenn man soviel Glück hat wie ich und der tiefblaue Winterhimmel einen starken Kontrast zum Gebäudeensemble bietet.

Am besten ist es sich an der Info, die ArchivMassiv, heißt den Übersichtsplan holen, damit schräg gegenüber ins Café Versorgung zu gehen und dort in aller Ruhe den Plan zu studieren. Vom Hinteren Raum hat man einen wunderschönen Blick in den zauberhaften Garten, muss im Sommer superschön sein, draußen zu sitzen…

Cappuccino und kleiner pikanter Happen, so gestärkt beginne ich meinen Rundgang durch die Fabrikstadt. Gleich nach dem riesigen Laden von Boesner, Künstlerbedarf, kommen die beiden bekanntesten Galerien die Märzgalerie und die Galerie EIGEN und ART, die auch Neo rauch, das Aushängeschild und den bekanntesten Künstler mit Atelier in der Spinnerei vertritt. Neben vielen Ateliers von Künstlern, sind am Gelände auch Kunsthandwerker und Kreative aus den Bereichen Mode und Medien. Der Rundgang selbst ist schon Genuss für s Auge, die Ästhetik der Gebäude, kleine Torbögen, Graffiti verwunschene Ecken und morbider Charme des Verfalles.

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Da werden bemalte und bekritzelte Eingangstore auf angerosteten Flächen zu ausdrucksvoller Street Art im Gesamtkunstwerk Spinnerei. Etwas versteckt aber absolut empfehlenswert ein Besuch im Atelier der Porzellankünstlerin Claudia Biehne.

Eingang zum Porzellanatelier von Claudia Biene und Stefan Passiv

Eingang zum Porzellanatelier von Claudia Biehne und Stefan Passig

Die Objekte reichen von kleinen, zarten Schalen über Leuchten bis hin zu riesigen Skulpturen, die aussehen als hätte jemand Teile eines Korallenriffs oder eine versteinerte Krake aus dem Meer geholt.

Skulpturen - Wie Schönheiten vom Meeresgrund

Skulpturen – Wie Schönheiten vom Meeresgrund

So filigran sind die Skulpturen, dass man der Versuchung widerstehen muss sie anzugreifen, um sich zu vergewissern, dass sie nicht aus hauchzartem Papier sind.

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Die Lampen zeigen ihre volle Schönheit, wenn das Licht eingeschaltet ist und man die zarten Blätter und Blüten sieht, die vor dem Brennen in das Porzellan eingelegt wurden und die im Brennvorgang verbrennen. Zurück bleiben halbtransparente Porzellanlampen, die an zarte Spitze erinnern.

Einen Block weiter macht schon der Name neugierig „Saxony ducks“ ? Das Rätsel löst sich bald, denn Diplomdesignerin Heike Müller, die hinter dem Modelabel steht, liebt englische (Hahnentritt) Stoffe. Saxony ducks ist eine Wortspielerei aus den Begriffen Sachsen, wo die Designerin herkommt,  und ducks, was im englischen soviel wie Mädchen bedeutet. Toll allein die Räumlichkeiten: Ihr Atelier geht nahtlos in den Showroom über. Vor zwei Jahren hat sich Heike nach 11 Jahren in Wien wieder in Leipzig niedergelassen und ihr Label gegründet. Die hochwertigen Teile von Saxony ducks werden aufwendig in Kleinstserien oder als Unikate gefertigt. Witzige Details sind zum Beispiel Reflexstreifen am Mantel, der trotzdem edel mit Londontouch wirkt. Besonders frech ein Cocktailkleid mit riesigem Hahnentrittmuster in rosé und silbrigem Reflexstoff. Provokation pur für Paparazzi, denn durch den Reflexstoff ist auf dem Foto rein gar nichts mehr zu erkennen…. Das Atelier teilt sie sich mit Angela Wandelt deren Label „gela Hüte“ perfekt zu Saxony ducks passt.

Ein paar Mal im Jahr gibt es  „Spinnerei-Rundgänge“, bei denen man dann auch die Ateliers der Künstler besuchen kann. Für mich steht fest, Spinnerei, beim nächsten Leipzig Besuch, mit Führung unbedingt wieder einplanen. Vielleicht extra zum Rundgang?

http://www.verborgenes-leipzig.de

http://www.spinnerei.de und www.spinnerei.de/news-details-100/events/winter-gallery-tour.html

http://www.biehne-porzellan.de

http://www.saxony-ducks.de

Fotos: Evelyn Watzka

 

 

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