Model – nein Danke!

Heute habe ich eine liebe ältere Dame, Frau L, bei meiner Freundin im Modeladen getroffen. Sie spricht gerne über Mode und was ihr gefällt, was sie alles im Kleiderschrank hat und was sie besonders gerne anzieht und warum. Außer kleidsam muss Mode für sie auch unbedingt bequem und angenehm sein, sie ist in einem Alter oder an einem Grad der (Lebens-)Weisheit angelangt an dem sie nur mehr äußerst ungern Kompromisse mit ihrer textilen Schutzschicht eingeht. Im weiteren Gespräch ging es dann, wie auch sonst, um Kleidergrößen (die, die man hatte als wir noch alle sehr jung und sehr schlank waren – nicht lachen, es gibt Beweisfotos!). Aber die Steigerung auf eine etwas gemütlichere Kleidergröße findet die Dame als nicht weiter störend, wie sie betont, um dann mit einem überzeugten Seufzer in lokalem Kolorit festzustellen:“ A Model mechat i ehrlich net sei, da starn an immer alle so o…! –  Ein Model möchte ich ehrlich nicht sein, da starren einen immer alle so an.“

Herzliches Lachen……in der Damenrunde und Zustimmung zu dem ehrlichen Statement. Ja auch das Top-Model der letzten Jahre, Cara Delevingne, gesteht gerade in der aktuellen Ausgabe eine großen deutschen Glamourzeitschrift, dass sie eine Hassliebe zum Modeln verbindet und dass sie oft ganz furchtbar „wie der letzte Dreck“ behandelt wurde.

Cara 1

Arme Cara – Das Topmodel auf aktuellen Titeln

 

Cara blickt im zarten Alter von 22 bereits auf satte zehn Jahre Modelerfahrung zurück, erst als sie bekannt und berühmt wurde, fingen alle an vor ihr zu buckeln. Die Arme. Tja so ist das in der Modelbranche, kein Zuckerschlecken…, trotz der Wahnsinnstagesgagen (liegen bei Cara durchschnittlich zwischen 8.000 und 10.000 Euro, für das Opening einer Show sind schon mal circa 65.000 Euro drin), der tollen Klamotten, die einem einfach so geschickt werden, der zahllosen, wichtigen Einladungen. Modeln also kein Traumjob? Die Gage nur ein Schmerzensgeld?

Ah wie gut geht es mir, keiner behandelt mich schlecht, weil ich es niemanden erlaube. Und keiner schleimt um mich herum weil ich die ach so wichtige XX bin. Falsche Freundinnen habe ich spätestens nach dem zweiten Tanzkurs abgelegt und bis heute keine neuen mehr zugelassen. Beschwingt verlies ich den Laden
und dann auf dem Weg nach Hause fielen mir noch einige weitere gute Gründe ein, warum ich auch kein Model sein möchte…
Wann hat mich das letzte Mal jemand angestarrt, keine Ahnung, ist so lange her , dass ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern kann.
Ich darf, klar sehr selten nur, auch modisch-stilistisch nicht so perfekt sein, ohne gleich in der Fotorubrik, so hot so not, bei den so not Beispielen abgelichtet zu sein.
Wenn ich auswärts essen gehe, was doch öfters vorkommt, dann steche ich nicht nur für das Foto mit der Gabel in die Köstlichkeiten auf dem Teller vor mir, nein ich, hebe die Gabel und schiebe sie mit Ladung in meinen Mund – und lasse es mir schmecken! Meistens bis der Teller leer ist und das mit Genuss und ohne dass mich jemand anstarrt. Nein es gibt sicher noch einige, weitere Gründe warum ich kein Model sein möchte so wie auch Frau L. Ich bin mir sicher, dass Cara Delevingne nur nicht über die anderen Gründe spricht, weil sie dann statt Bewunderung aus jetzt verständlichen Gründen von vielen Mitleid bekommen würde…

So sage auch ich: „A Model mechat I ehrlich net sei, da starren mi alle immer so o“  – und es gibt jede Menge Gründe warum wir so sein wollen sollten wie wir sind, einzigartig , authentisch, stark und auf unsere ganz eigene Weise schön!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s