Alles Walzer – Ein Ball in Wien muss sein!

„Vor zwei Wochen war ich in Wien auf einem Ball“, erzähle ich in den letzten Tagen vielen Freunden und Bekannten, die wissen wollen was ich so in letzter Zeit gemacht habe. „Oh, am Opernball?“ , fragen die meisten dann entzückt mit leicht entrücktem Lächeln.

Der Festsaal der Wiener Hofburg

Wien, Wien nur du allein…. Fotos ballguide.at

 

 

„Nein, nicht am Opernball. Da war ich bis jetzt noch nie. Aber er gibt so viele, andere vielleicht sogar noch schönere, Bälle in Wien“, versuche ich behutsam zu erklären, warum ich als Exilösterreicherin nicht unbedingt auf den Opernball muss, um eine rauschende Ballnacht in Wien zu erleben.

Müssen sollte man nur einmal im Leben auf einem der traumhaft schönen Bälle in Wien gewesen zu sein…

450 sind es an der Zahl laut offizieller Angabe der Stadt Wien. Da wird Mann/Frau doch sicher fündig um zwei Herzen im Dreivierteltakt schweben zu lassen. Der international bekannteste ist sicher der Wiener Opernball. Die Ballsaison geht streng genommen von Faschingsbeginn, am 11.11. jeden Jahres bis zum Faschingsdienstag des Folgejahres. Die schönsten und traditionsreichsten Bälle sind immer im Januar und Februar. Aber auch unterm Jahr wird es am Parkett nicht langweilig.

Die „klassische Ballsaison 2014/2015 endet heute um Mitternacht. Also noch schnell kurz vor Schluss ein Ausflug in die österreichische Hauptstadt und die Wiener Ballwelt.

Hervorgegangen sind die Wiener Bälle, wie wir sie heute kennen, aus den abendlichen Festveranstaltungen des österreichischen Hofes während des Wiener Kongresses 1814/1815. Auch davor war es bei Hofe sehr beliebt zum Tanz zu laden. Ballare-tanzen – daher kommt das Wort Ball. „Der Kongress tanzt“ (- „aber er kommt nicht vorwärts“ C.J. de Ligne) dieses geflügelte Wort stammt daher, dass viele der europäischen gekrönten Häupter und deren Vertreter in Wien viel lieber tanzten und sich vergnügten, als über eine ernsthafte Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen zu verhandeln. Und man kann das gut nachvollziehen, wenn man weiß wie die Wiener feiern können…

Der Kongress wurde beendet, lustvoll weiter getanzt wird bis heute. Im Kongressjahr 1815 wurde die Technische Universität Wien gegründet, dass wurde gefeiert  und es gab auch einen Ball dazu. So feiern dieses Jahr die TU Wien und der TU-Ball und wir feiern natürlich ausgiebig mit! Der TU-Ball ist mit seinen 200 Lenzen eigentlich eine gereifte Dame, die aber mit sehr viel jugendlichem Schwung ihren runden Geburtstag feiert.

Eines haben der TU-Ball und der Opernball gemein, sie finden beide traditionell immer an einem Donnerstag Abend statt. Der TU-Ball am letzten Donnerstag im Januar und der Opernball am (unsinnigen) Donnerstag vor dem Faschingsende (Weiberfasching).

 

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Schon 200 Jahre alt und doch so jung!

3600 Ballgästen sind beim TU-Ball 2015 in den Prunkräumen der Wiener Hofburg, die jungen, tanzwütigen Ballbesucher  sind eindeutig in der Überzahl. Die Begeisterung aber zieht sich durch bis zu den hochdekorierten Altprofessoren, die bis zu später oder besser gesagt früher Stunde elegant das Tanzbein schwingen.

Wien ist die Welthauptstadt der Bälle. So viel steht fest. Denn nahezu jede Berufsgruppe hat ihren eigenen Ball:  Apothekerball, Ärzteball, Concordiaball (Presse), Blumenball, Kaffeesiederball, Juristenball, Medizinerball, Pharmacieball, Jägerball, Zuckerbäckerball, Offiziersball…

Der Wiener Ballkalender in gedruckter Form gleicht einem Taschenbuch. Der tanzbegeisterte Wiener und seine Begleiterin gehen jedes Jahr, auch gerne mehrmals in der Saison, auf einen Ball. Wobei das ganz besonders die Geschäfte für Damenballmode  und die Schneiderinnen freut. Zieht die Dame doch üblicherweise jedes Jahr ein neues Ballkleid an und versucht tunlichst zu vermeiden, dass eine andere Ballbesucherin im selben Kleid erscheint…

Überhaupt gibt es festgeschriebene Regeln wie so ein Ball abläuft. Angefangen vom Dresscode über den Ablauf des Ballabends bis hin zum feierlichen Ausklang.

Fangen wir beim Dresscode an. Dieser ist am strengsten am Opernball, der Herr Frack, also Frackzwang, was für ein herrliches Wort! Einzige Ausnahme die Galauniform mit großen Orden. Einfacher ist  für die Dame, hier gilt eine lange Abendrobe.  Genaueres nachzulesen bei http://www.ball-infos.at/dresscode/ Bei allen anderen Bällen sollen die Herren im Smoking mit Fliege erscheinen, um der Eleganz Genüge zu tun.

Gerne trifft man sich mit Freunden vor dem Ball zu einem frühen, schicken Abendessen, die Nacht wird lang und man sollte eine „gute Unterlage“ haben, um  auch das eine oder andere Glaser Wein oder Champagner zu trinken und bis um 5 Uhr Morgen fit zu bleiben. Die Herren Leser dürfen hier überspringen und direkt ab nächstem Absatz weiterlesen. Die Damen sind um 18 Uhr meist eh schon etwas ermattet, der Friseurbesuch mit Make-up Styling dauert ja auch seine Zeit, und die tagelange Vorbereitung, nicht mitgerechnet die Wochen davor mit Rennerei, bis man das richtige Kleid, die passenden Schuhe, die perfekte Abendhandtasche, den perfekten Schmuck und und und hat…

Meistens wird der Ballsaal um 20.30 Uhr geöffnet und der Ballbeginn fängt dann um 21.30 Uhr an, beim Opernball ist es sogar noch später. Das bedeutet gute neun Stunden durchhalten! Der Ballbeginn mit der feierlichen Eröffnung ist auch gleich einer der Höhepunkte der Ballnacht. Die Debütanten eröffnen mit dem Jungdamen und -herren Komitee im Zeremoniensaal der Hofburg.

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Die stolzen Augen von Frau Mama und Herrn Papa sind auf die Debütanten gerichtet. Allein schon der Einzug der jungen Damen in weißen, langen Kleidern, manchmal mit funkelnden Diademen oder Krönchen  auf den kunstvoll frisierten Häuptern, ist ein wunderschönes Bild das bezaubert. Die jungen Herren im Smoking oder Frack, manche Exemplare vom starken Geschlecht doch sichtlich nervös.

Einzug der Ehrengäste

Einzug der Ehrengäste

Bevor die Eröffnungschoreographie beginnt, kommt der Einmarsch der Ehrengäste und der kann dauern. Dann noch ein paar Ansprachen. Eventuell ein kleines Ballett.  Da heißt es stramm stehen und warten  – und immer wieder ist das und die Aufregung einfach zu viel und eine junge Dame schwächelt und fällt kurz in Ohnmacht. Meist hilft ein Stück Traubenzucker und ein Schluck kaltes Wasser und in erstaunlichem Tempo sind sie wieder fit und tanzen mit, wenn die Musik für die Eröffnung erklingt.

Wäre auch zu schade, wenn man einmal im Leben so richtig Prinzessin sein möchte und darf und dann ist man bei der Audienz nicht dabei.

Himmel auf Erden: Wiener Walzer

Himmel auf Erden: Wiener Walzer

Wenn nach der Choreographie die Walzerklänge der Gebrüder Strauß erklingen, ist es geschafft. Kommt dann der Befehl „Alles Walzer“, wechselt das Orchester zum Dreivierteltakt. Jetzt stürmen alle Ballgäste die Tanzfläche und geben sich der Walzerseligkeit hin.

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Schöne Tradition ist die Ausgabe von Tanzkarten. Das sind kleine Heftchen in der die Walzer mit Namen und der Uhrzeit wann sie gespielt werden, gedruckt sind. Die Herren dürfen sich eintragen und so die Walzertänze mit ihrer Herzensdame oder Angebeteten reservieren.

Besonders schön, wenn man noch Dame und solo ist, am TU-Ball ist nach der Mitternachtsquadrille bis 02.30 Uhr Damenwahl. Also wenn Amors Pfeil hier niemand findet, dann weiß ich auch nicht….

Die Mitternachtsquadrille ist Kult und eine Riesenhetz,  ein heißerwarteter weiterer Höhepunkt der Ballnacht. Der Ballettmeister in unserem Falle die Ballettmeisterin gibt die Kommandos zum französischen Kontratanz. Was ist das ? Einfach mal ins Video reinschauen. Der Spaß den das Mittanzen macht kann man aber nur live erleben. Auch wenn man die Figuren nicht ganz richtig tanzt kein Problem, auch hier zählt der olympische Gedanke „dabei sein ist alles“! Um Mitternacht herrscht noch richtig Andrang und man kommt kaum vom Fleck weg. Bei der zweiten Quadrille um 02.30 Uhr ist dann schon wieder etwas mehr Platz und man folgt dem Kommandos „der Herr geht vor, der Herr geht vor, die Dame hinterher…“, „Damentausch“ schon viel leichter. Das Tempo wird gesteigert, es wird immer flotter und zum Schluss die wilde Hatz, der Galopp unterm dem Spalier der anderen, glückliches Kreischen – so was Erleben geht halt nur im guten alten Wien.

Walzer, Tscha-Tscha- Tscha,  Samba, Rumba, Pasadoble, Tango, Fox, Galopp, wieder Wiener Walzer und ehe man sich’s versieht erklingt der Radetzkymarsch, der „Rauswurf“ aber da sich die meisten ganz, ganz schwer trennen können und auch um fünf Uhr früh nicht nach Hause gehe wollen, erklingt zur Beruhigung der Gemüter Brüderlein fein (Ferdinand Raimund -Der Bauer als Millionär). Hier die letzte Strophe aus dem Volkslied:

Brüderlein fein, Brüderlein fein
zärtlich muß geschieden sein
Brüderlein fein, Brüderlein fein
´s muß geschieden sein
Denk manchmal an mich zurück
schimpf nicht auf der Jugend Glück
Brüderlein fein, Brüderlein fein
schlag zum Abschied ein…

Und dann geht es wirklich nach Haus. Im Walzerschritt. Da aber nach dem Ball auch vor dem Ball ist, schau ich schon mal welches Datum der letzte Donnerstag im nächsten Jahr sein wird.

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