Arrivo – Ankunft

Nach einem ruhigen Flug reißt die Wolkendecke auf und bietet den Blick auf die im Frühling grasgrüne Insel. Wenigstens eine der Palmen am Flughafen muss ich als Beweis fotografieren.

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Die Fahrt ins Zentrum ist bekannt.  Cagliari hat rund 500.000 Einwohner, so viel wie Nürnberg, liegt auf mehreren Hügeln direkt am Meer und  ist Inselhauptstadt, Universitätsstadt sowie kulturelles und politisches Zentrum Sardiniens.

Was folgt ist die etwas schweißtreibende Suche meines B&B im pittoresken Villanova Viertel von Cagliari. Es ist schon zwei Uhr nachmittags und der Magen knurrt. Schweißtreibende Suche deswegen weil ich zwar genau die Straße wo ich hinmuss kenne, aber alles nur zu Fuß. Mit dem Auto darf man nur mit Sondergenehmigung ins Viertel oder um kurz- so wie ich- seinen schweren Koffer auszuladen und dann gleich wieder weiter in die Parkgarage. Das war mir ziemlich schnell klar, dank Sprachkenntnissen Text untern den Schildern sofort verstanden, nur meinem Navi hat das niemand erklärt.

Also drei Runden gewagt durchs Viertel und enge Gassen kurven, dreimal mit Hilfe netter Handwerker fast wie ein Hubschrauber den neuen Fiat Punto Leihwagen, echt nur 60km drauf, kratzerfrei wieder rausmanövrieren. Dann rettender Anruf bei Edoardo, dem netten Vermieter, der mir kurz und richtig erklärt wie ich anfahren darf und drei Minuten später glücklich mitten im Trendviertel Villanova im Birkin B&B gelandet. Uff geschafft! Ben arrivata.

Jetzt gönne ich mir ein kleines, spätes Mittagessen im Antico Caffé  ganz zentral gelegen unter einer der Sehenswürdigkeiten Cagliaris, der Bastione Remy.

Im Brotkorb hauchdünnes knusprig lauwarmes Pane Carasau, links, und Mini Ciabatta, dazu feinstes Olivenöl und Salz aus den Salinen Cagliaris, perfekter Einstieg, um noch mal den Stadtplan zu studieren.

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Kleine Stärkung im Antico Caffè.

Erfinderisch wie Südländer sind, werden die schmiedeeisernen Einrahmungen im Winter (ja 17 Grad sind für den sonnen- und wärmeverwöhnten Sarden einfach sehr wenig),  praktisch denkend mit durchsichtigen Kunststoffplatten verkleidet und schon hat man einen „salotto esterno“ ein Außenwohnzimmer zusätzlich. Das Antico Café ist eines der historischen Cafés der Stadt und für viele temporäres Wohnzimmer und Treffpunkt für alle Angelegenheiten. Jung und alt bevölkern das Café von Früh bis spätnachts. Drinnen sind die berühmten Riesenschokoladeneier aufgebaut, die neben der Colomba, bevorzugt an Ostern verschenkt werden. Die Colomba ist die Friedenstaube aus dem gleichen fluffigen Teig wie die Panettone,  der Weihnachtskuchen, nur das oben meist eine Schicht aus Hagelzucker mit Amaretto- oder Mandelteilchen ist.

Als Glückskind mit italienischer verheirateter Patentante war ich in meiner Kindheit immer eines der hoch privilegierten Kinder, die ein solches Kunstwerk an Ostern im Garten versteckt fanden. Für den Rest der Familie gab es eine Panettone als Geschenk, Herz was willst du mehr?

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Troppo dolce!

Gegen alle guten Vorsätze bestelle ich mir dann doch ganz typisch deutsch-österreichisch nach dem Essen einen Cappuccino und dazu ein bignet alla crema, Windbeutel mit Vanillecreme. Was soll’s, auch das gehört für mich zu einem Italientrip.

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Bignet alla crema pasticciera

Die Bastione Remy, strählend weiß, Foto mit blauem Himmel folgt, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zu repräsentativen Zwecken gebaut. Man erklimmt sie sportlich über etliche Stufen nach oben und hat dann als Belohnung einen der schönsten Aussichtspunkte über die Stadt und die Bucht.

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Im Herzen der Stadt

Immer noch immer wieder In-Treff das Antico Caffé, unter der grünen Markise versteckt, die Veranda, zum Sehen und Gesehen werden. Der einzige Tourist bin ich.

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Antico Caffè seit 1855

Schien bei der Ankunft noch die Sonne, so zieht am Nachmittag ein frischer Wind auf. Was die junge Damen nicht daran hindert ihren neuen Frühlingsrock einfach mit blickdichter Strumpfhose wettergerecht auszuführen und sich bewundern zu lassen. Fare bella figura – sich gut darstellen, das lernen die Mädchen und natürlich auch die Jungs von klein auf und setzen es dann einfach mit einer lässigen Selbstverständlichkeit und Stil um.

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Ein kleiner Bummel durch die Gassen von Villanova, der Duft vom Meer weht frisch herauf. Es hat in den letzen Tagen sehr stark geregnet, alles ist blitzsauber und die Pflanzen und Gärten haben ein sattes, frisches Grün.

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Im Villanova-Viertel hängen unter den Fenstern bereits die schönen verbrämten Fahnen für die „Settimana Santa“  die Karwoche. Die Karwoche wird nach den alten strengen Bräuchen gefeiert  und ich werde sicher am Palmsonntag eine eindrucksvolle Palmprozession in der Altstadt miterleben können.

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